Ratgeber

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Todesanzeige: Der Trauer Worte geben

Der Inhalt und die Gestaltung von Todesanzeigen
Eine Todesanzeige zu entwerfen ist schwer. Denn sie kann kaum all das ausdrücken, was Trauernde zum Ausdruck bringen möchten. „Für die Welt warst Du irgendjemand. Aber für uns warst Du die ganze Welt.“ Diese wenigen Worte in einer Todesanzeige lassen das Leid persönlicher Trauer erahnen. Aber sie sprechen auch von der Schwierigkeit der öffentlichen Bekanntgabe eines Todesfalls. Anlass einer Traueranzeige ist der Schmerz über den Tod einer geliebten Person, etwas sehr Privates. Ihr Adressat jedoch ist die Allgemeinheit. „In unserem Leben hast Du Deinen Platz verlassen, in unseren Herzen bist Du immer bei uns“ – solche Bekenntnisse legen Zeugnis ab von der Gemeinschaft, die Lebende und Tote verbindet, vom Glauben und vom Schmerz der Hinterbliebenen.
Todesanzeigen sind persönlicher Ausdruck der Trauer. Aber sie sind auch öffentliche Erklärungen, die neben dem Namen des Toten wichtige Informationen enthalten sollten:
  • Das Alter des Verstorbenen oder, wie meist üblich, seinen Geburtstag und Todestag. Auch Hinweise auf den Beruf sind möglich.
  • Der Ort und Termin der Beisetzung sowie des Gottesdienstes oder der Trauerfeier.
  • Die Namen der nächsten Angehörigen als Hinweis auf die Verwandtschaftsbeziehungen des Verstorbenen und die Trauernden, die zurück- bleiben. Die Nennung der Namen kann durch Worte eingeleitet werden, die dem Schmerz oder der Hoffnung der Hinterbliebenen Ausdruck  geben:  Zum Beispiel: „In tiefer Trauer“, „In christlicher Hoffnung“ oder: „In Liebe und Dankbarkeit“. 
 

Todesanzeigen können aber noch weitere Informationen enthalten:

  • Ein Sinnspruch, der etwas über den Toten oder die Hinterbliebenen aussagt. Manche Menschen drücken durch Gedichtzeilen oder Zitate ihren Schmerz über den Verlust, ihre tiefe Trauer aus. Die kurzen Texte können aber auch Glaubensbekenntnis oder Ausdruck der Hoffnung sein: Verweis auf das ewige Leben, die Heimkehr zu Gott oder der Glaube an die Kraft der Liebe, die Tote und Lebende weiter verbindet.
  • Ein Hinweis auf die Ursache des Todes, besonders wenn er wirklich unerwartet kam, zum Beispiel: „Durch einen Verkehrsunfall“ oder: „Nach kurzer, schwerer Krankheit“.
  • Der Wohnort und die Adresse des Verstorbenen, oder die Adresse seiner nächsten Angehörigen, an die Trauerpost geschickt werden kann.
  • Ein Foto des Verstorbenen: Es zeigt Hinterbliebenen noch einmal das vertraute Gesicht der Person, die sie verloren haben.  Es  zeigt  aber  auch Außenstehenden, die sonst nur einen Namen lesen würden, dass ein Mensch sehr viel mehr ist als das, was ein Name ausdrücken kann.
  • Ein Bildelement oder Symbol: Dies können, je nach Glaubensbekenntnis oder persönlichen Vorlieben,  ein Kreuz, ein Baum, blühende oder geknickte Rosen, eine Sonne, aber auch sehr persönliche, selbst gestaltete Motive  sein:  ein weinendes Auge, ein Scherenschnitt oder Kinderzeichnungen.
  • Auch Bildmotive, die den gesamten Hintergrund einer Traueranzeige ausfüllen, etwa das  Foto  einer  Landschaft, können heute oft verwendet werden – wenn das Motiv von seiner Art und Aussage her zu einer Traueranzeige passt und eine reproduktionsfähige Vorlage zur Verfügung gestellt wird. Der Gestaltungsspielraum ist groß. Zeitungen sind bemüht, den individuellen Wünschen Angehöriger entgegenzukommen.
  • Dankesworte an bestimmte Personen oder Einrichtungen, wenn sie sich um den Verstorbenen bemüht haben, zum Beispiel Ärzte, Geistliche, das Pflegepersonal eines Krankenhauses oder andere Begleitpersonen.
  • Hinweise auf erwünschtes Verhalten der Trauergemeinde: Wenn dies im Sinne des Verstorbenen war, können Sie zum Beispiel statt Blumen um Spenden für bestimmte Einrichtungen bitten. Wenn Sie wirklich glauben, nicht die Kraft zu haben, am Grab Beileidsbekundungen entgegenzunehmen, oder dies aus anderen Gründen nicht wünschen, können Sie dies in der Todesanzeige mitteilen. Durch die Bemerkung „Für erwiesene und noch zugedachte Anteilnahme herzlichen Dank“ können Sie aber deutlich machen, dass Sie über den Tag hinaus auf die Mitmenschlichkeit und auf Zeichen von Angehörigen, Freunden oder Kollegen hoffen.


Man sollte sich immer fragen, was sich der Verstorbene gewünscht hätte

Traueranzeigen können auch in der Form einer nachträglichen Bekanntgabe eines Todesfalls und dem Hinweis, die Beisetzung habe „in aller Stille“ stattgefunden, publik gemacht werden. Für dieses Vorgehen gibt es unterschiedliche Gründe, die zu respektieren sind. Manche Trauernde fühlen sich am Tag der Beisetzung in ihrem tiefen Schmerz überfordert und wollen in dieser schweren Stunde möglichst wenigen Menschen begegnen. Sie sollten sich aber immer fragen, was sich der Verstorbene gewünscht hätte. Und sie sollten auch bedenken, dass Sie andere Menschen, denen der Verstorbene ebenfalls wichtig war, verletzen könnten, wenn Sie sie von dem gemeinsamen Weg zum Grab, dieser Möglichkeit des Abschiednehmens, ausschließen.
Nicht nur Angehörige haben die Möglichkeit, eine Traueranzeige aufzugeben. In Form eines Nachrufs können dies auch  Arbeitskollegen und Arbeitgeber, Vereine oder andere Institutionen tun, denen der Verstorbene nahe stand. Auch der Freundeskreis oder Schulkameraden können so ihr liebendes Gedenken an einen Menschen bekunden. Eine weitere Form, der Trauer Ausdruck zu geben, ist die Gedenk-Anzeige am Todestag oder Geburtstag eines Verstorbenen. Diese besondere Form des öffentlichen Erinnerns ist Zeugnis der Würdigung eines geliebten Menschen und Bekenntnis, dass er im Leben derer, die zurückbleiben, immer noch eine wichtige Rolle spielt. Sie kann aber auch Ausdruck des immer noch anhaltenden Schmerzes über den Verlust sein, ein Hilferuf von Trauern- den in einer Welt, die über den Tod allzu schnell den Mantel des Vergessens breitet.
Viele Menschen greifen auch auf die Möglichkeit einer öffentlichen Danksagung für erwiesene Anteilnahme nach einem Todesfall zurück. Dieser Dank kann sich an bestimmte Personen oder Institutionen richten. Er zeigt aber auch, wie wichtig Zeichen des Mitgefühls für Trauernde sind. „Die besten Mittel gegen das Leid sind Zuneigung, Anteilnahme, Liebe“, lautete der Text einer Danksagung: „Und der beste Weg, einem Menschen, der ins Leid gekommen ist, zu helfen, besteht darin, ihn unsere Zuneigung, Anteilnahme und Liebe auf jede nur erdenkliche Weise spüren zu lassen.“
 

Einzigartigkeit und Persönlichkeit hervorheben

Trauernde sind meist von Herzen dankbar, wenn sie in schwerer Zeit Unterstützung erhalten. Viele Danksagungen beweisen täglich aufs Neue, dass es Trauernde tröstet, wenn sie wirkliche Mitmenschlichkeit erfahren und in ihrem Schmerz nicht allein gelassen werden. Muster für Traueranzeigen können in der belastenden Situation nach einem Todesfall eine große Hilfe sein. Dennoch werden viele der vorformulierten Worte und angebotenen Möglichkeiten nicht zu dem Menschen passen, um den Sie trauern. Persönliche Worte oder ein Sinnspruch, der dem Verstorbenen wichtig war, sind meist stimmiger. Der Mensch, um den Sie trauern, war einzigartig. Durch die Traueranzeige, die viele Menschen erreicht, können sie dies auch anderen mitteilen. Zeigen Sie sich zurück- haltend in der Wortwahl, wenn Ihnen das angemessen erscheint, aber drücken Sie Ihren Schmerz aus, wenn Sie das Bedürfnis dazu haben.
Es kommt, wie bei den meisten Dingen im Leben, darauf an, was Sie für richtig und wichtig halten, nicht darauf, was andere von Ihnen denken könnten.