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Die Gestaltung der Trauerfeier

Formen des Erinnerns und Gedenkens
Es ist ein schwerer Gang, einen Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten – dem Weg zum Grab. Je näher man diesem Menschen stand, umso schwieriger ist es. Angehörige müssen diesen Weg nicht nur gehen, sondern sich auch Gedanken über seine Gestaltung machen. Der Abschied in der Kirche, der Trauerhalle des Friedhofs oder am Grab bietet Raum für persönliche Worte und anderes mehr. Was hilft den Trauernden? Was hätte sich die gestorbene Person vielleicht gewünscht? Worüber hätte sie sich gefreut?
 
Schwierige Fragen, die in einer sehr schweren Zeit beantwortet werden müssen. Religiöse Rituale sind für die meisten Menschen wichtig. Sie müssen jedoch nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, wenn die gestorbene Person keine tiefere Beziehung zur Kirche hatte. Viele Menschen finden Trost in einem Gottesdienst und in Gebeten. Andere empfinden die bei Beerdigungen üblichen Rituale und Feierlichkeiten eher als belastend, die Liturgien als der Situation und der Person, um die sie trauern, nicht angemessen.

Eine individuell gestaltete Trauerfeier kann nicht nur hilfreich sein und Trost spenden. Sie kann Hinterbliebenen manchmal auch das Gefühl geben, im Sinne des Toten zu handeln und ihm so eine letzte Ehre zu erweisen. Jeder Mensch ist unverwechselbar. Trauerfeiern sind es meist nicht. Für das Bestattungswesen und alle, die mit ihm zu tun haben, ist der Tod alltäglich. Für Trauernde, die eine geliebte Person verloren haben, ist er es nicht. Viele möchten den Menschen, um den sie trauern, würdigen und ihm noch einmal ihre Liebe bekunden. Aber sie fühlen sich durch Konventionen daran gehindert, bei der Trauerfeier eigene Empfindungen und Gedanken auszudrücken. Der Tod mache alle gleich, heißt es oft. Für Trauernde wird die Person, die sie verloren haben, jedoch immer einzigartig bleiben. Der Tod muss akzeptiert werden. Aber die Trauerfeier kann auch eine Feier des Lebens dieser Person sein, das nun vorüber ist. Sie bietet Trauernden die Möglichkeit, dieses Leben zu würdigen und ein letztes Mal Dank zu sagen.


Es gibt viele Möglichkeiten die Zeremonie zu gestalten

Was ist möglich? Vieles ist möglich. Eine kirchliche Beerdigung gibt zwar einen bestimmten Rahmen vor, lässt aber trotzdem Freiräume für individuelle Formen des Gedenkens. Die Würdigung der gestorbenen Person kann beispielsweise durch die Auswahl eines bestimmten Musikstücks oder persönliche Ansprachen am Grab erfolgen. Auch die Rede des Geistlichen enthält persönliche Elemente, wird aber dennoch manchmal als routiniert empfunden – bei falschen Aussagen auch als schmerzlich. Eine Würdigung des Verstorbenen gelingt meist nur dann, wenn der Pfarrer ihn persönlich gekannt hat, was jedoch, zumal in größeren Städten, oft nicht mehr der Fall ist.

Menschen, die im religiösen Ritus keinen Trost finden, können auch einen weltlichen Bestattungsredner als letzten Wegbegleiter bestellen. Diese Redner sehen es als ihre Hauptaufgabe an, den Verstorbenen zu würdigen. Auch dies gelingt nicht immer. Viele Redner sehen sich nicht als Konkurrenz zur Kirche, sondern als Ergänzung. Manche jedoch lehnen religiöse Bräuche grundsätzlich ab und gehen darin so weit, dass sie sich sogar einem schlichten Gebet verweigern. Zudem kennen die so genannten freien Trauer-Redner den Verstorbenen in der Regel genauso wenig wie viele Geistliche – weshalb ihre Ansprache zwar persönliche Elemente enthalten mag, aber oft dennoch als Ritual ohne persönlichen Bezug erscheint. Bestattungsunternehmen stehen Ihnen auch bei der Gestaltung der Trauerfeier zur Seite. Bei einer kirchlichen Beerdigung bemühen sie sich um einen Termin mit dem Geistlichen, stellen aber auch Kontakte zu freien Grabrednern her, falls Sie deren Dienste in Anspruch nehmen möchten. Ihr Bestattungsinstitut kann hier aufgrund langjähriger Erfahrung Empfehlungen aussprechen.


Sich selbst kreativ an der Gestaltung beteiligen 

Wenn Sie es möchten, können Sie die Trauerfeier auch alleine gestalten. Dies erfordert allerdings viel Kraft. Nach der Erfahrung vieler Bestatter sehen sich die meisten Angehörigen in ihrer Trauer nicht in der Lage, eine Gedenkfeier selbst mit auszurichten.
Allerdings können Betroffene ihre Trauer oft besser bewältigen, wenn sie bei der Gestaltung der Zeremonie selbst aktiv werden. Auch die Deutsche Hospiz Stiftung ermutigt dazu, die Trauer persönlich und kreativ zu gestalten: Rituale, die den Umgang mit dem Tod und die Formen des Erinnerns regeln, seien für viele wichtig. Eine persönliche Trauerfeier kann viele Elemente enthalten:
  • Eine Rede, die den Verstorbenen würdigt und seine Persönlichkeit durch Erinnerungen und Anekdoten noch einmal lebendig werden lässt. Wenn Sie selbst nicht die Kraft haben, dies zu tun, können Sie andere Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen bitten, ein paar Worte zu sagen. Es kann ein großer Trost sein, in dieser schwierigen Situation zu erfahren, wie viel der Mensch, um den Sie trauern, auch anderen bedeutet hat.
  • Das Sprechen von Gebeten oder das Vorlesen von Gedichten, die der Verstorbene gerne gemocht hat oder in denen Ihre eigene Trauer besonderen Ausdruck findet.
  • Musik, die einen besonderen Bezug zum Verstorbenen hat oder mit der Sie Erinnerungen an gemeinsame Momente verknüpfen. Dies kann religiöse oder klassische Musik sein, aber auch Jazz oder Pop. Zu beliebten Titeln, die bei Trauerfeiern immer wieder gespielt werden, zählen zum Beispiel Frank Sinatras „My way“ oder „Time to say goodbye“ von Andrea Bocelli. Vielleicht hatte die Person, um die Sie trauern, ein Lieblingslied?
  • Ein gerahmtes Bild des Verstorbenen kann in der Trauerhalle aufgestellt werden und so das Gefühl vermitteln, dass  die geliebte  Person im Geiste mitten unter Ihnen ist.
  • Der Ort der Trauerfeier kann mit Blumen geschmückt werden, die der Verstorbene besonders geliebt hat. Als Zeichen der Verbundenheit und Dankbarkeit können Sie jedem Trauergast auch eine dieser Blumen in die Hand geben.
  • Möglich ist auch die Zusammenstellung eines Papiers oder kleinen Heftes mit Gedanken, Gedichten oder Fotos des Verstorbenen, das die Trauergäste zur Erinnerung mit nach Hause nehmen können.
Eine Trauerfeier braucht geeignete Räumlichkeiten, die leider nicht auf allen Friedhöfen vorhanden sind. Sie kann in einer Kirche oder in einer Trauerhalle stattfinden. Bei der Planung sollten Sie berücksichtigen, dass Ihnen, zumal in größeren Städten, nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung steht. Musik und Reden sind auch am offenen Grab möglich. Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie Trauergäste nach der Beisetzung noch zum Kaffee oder einem gemeinsamen Mahl einladen möchten. Es gibt gute Gründe dagegen, aber auch dafür: Viele Menschen, die zur Trauerfeier gekommen sind, haben Ihnen und dem Toten Respekt erwiesen und trauern ebenfalls. Gemeinsamkeit und Gespräche nach der Beisetzung können für alle Beteiligten tröstlich sein.
Der Abschied von einer geliebten Person kann auf vielfältige Weise gestaltet werden. Jedes Leben ist individuell, und so individuell darf auch der Abschied von diesem Leben sein, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Hospiz Stiftung. Wenn Sie Ihren Gefühlen vertrauen und die Kraft finden, sie auszudrücken, kann die Trauerfeier ein letzter Liebesdienst für die Person sein, um die Sie trauern.